Die Wernecker Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein Beispiel der nachkonziliaren Architektur zum Ende der 60er Jahre. Sie kann folgendermaßen kurz beschrieben werden: Die Kath. Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist ein kubischer Flachdachbau über quadratischem Grundriss. Gegen Osten zweifach rund gebuchtete und von raumhohen Buntglasfenstern begleitete Betonscheibe, dieser vorgelagert eine Altarinsel. Im Westen neben dem Foyer eine Werktagskapelle und schalenturmartiger Campanile (Glockenturm). 1965-1967 von Hans Schädel und Friedrich Ebert unter Mitarbeit von Walter Kuntz erbaut. Die Grundsteinlegung der Kirche war am 19. Mai, dem Christi-Himmelfahrts-Tag, des Jahres 1966. Die Planung und Bauleitung hatte das Dombauamt Würzburg übernommen (s.o.). Bauherr war die kath. Kirchenstiftung an deren Spitze Pfarrer August Bauer (1956 – 1978) stand, der maßgeblich den Bau beeinflusste und voranbrachte. Die Planungsphase begann schon 1964. Die alte neugotische Kirche in der Mitte des Ortes, die aus einem alten Fruchtspeicher aus der fürstbischöflichen Zeit hervorging war zu klein geworden und wurde abgerissen, der Turm schließlich 1968 gesprengt.
Der dreiseitige Backsteinquader der neuen Kirche (jede Seite 30 Meter lang und ca. 10 Meter hoch) wurde mit Sandsteinplatten verkleidet, die allerdings nach 60 Jahren entfernt wurden und aus Sicherheitsgründen einem Isolierputz in Sandsteinoptik weichen mussten. Beton, der gängige Baustoff der sechziger Jahre, wurde nur für die zwei Conchen des Altarraumes und für den freistehenden Turm (21 Meter hoch) verwendet.
Da das Schloss von keinem anderen Bauwerk dominiert werden sollte, liegt die Pfarrkirche eher unauffällig, etwas tiefer gesetzt am Rand des Ortes Werneck, am Flüsschen Wern. Zur Bauzeit war die Kirche von Natur und Wasser umgeben und sollte die neue, östlich gelegene Siedlung mit dem Ortskern verbinden. Eine neue Mitte sollte entstehen.
Das Thema Natur/Wasser wurde auch im Innern der Kirche aufgenommen und umgesetzt.
Der Innenraum der Kirche
Betritt man das Innere der Kirche, wird der Blick sofort auf das grün, grau, blau, türkis schimmernde, monumentale Fenster von Prof. Dr. h.c. Johannes Schreiter (geb. 1930 in Annaberg/Buchholz; er lebt in der hessischen Stadt Langen) gelenkt.
Mit einer Gesamtfläche von 150 qm werden die beiden Teile der Glaswand (die aber zusammengehören) durch den Altarbereich voneinander getrennt. Je nach Tageszeit leuchten die Fenster anders und beeindrucken den Betrachter durch ihre Farbigkeit und die abstrakte Formensprache.
Prof. Schreiter beschreibt sein Vorgehen folgendermaßen:
„Die Herausforderung des Mediums Glas besteht für mich darin, hier mit einem Material arbeiten zu können, das eben nicht mehr als Materie in Erscheinung treten muss. Ergo bin ich mit der Hervorbringung von Lichtgestalten befasst: Mein Stoff ist sozusagen die Stofflosigkeit.“
Prof. Schreiter arbeitet also mit farbigem Antikglas (gefertigt in der Glashütte Lamberts, Waldsassen – Ausführung Fa. Wilhelm Derix, Rottweil-Taunusstein), wobei die grün-türkise Hintergrundfläche die Alltagswelt der Menschen symbolisiert, die aber vom Göttlichen (der weißen Randung) schon punktuell durchdrungen ist.
Der Glaskünstler arbeitet auch mit Bleirutenlinien:
„Eine Linie kann rasant oder langsam sein“, so der Künstler, „sie kann suchend, zögernd oder zielstrebig auftreten. Sie kann Umwege machen, unentschlossen daher torkeln, einkreisen, ausschließen, peitschen und streicheln“.
In diesem Sinne zeigt Schreiter in seinen Werken immer wieder ein großes Repertoire an Linienführungen: Sie sind vielfältiger Ausdruck für das Lebendige, für Energien und Kräfte, Sinnbilder für das Freie, für das Unberechenbare oder Bedrohte.
Die blauen Lichtgestalten und Bleiruten sind offen für eigene Deutungen: Sind es Quellen, die sich aus dem Hintergrund ergießen?
Sind es menschliche Gestalten, die ihren Alltag meistern wollen?
Ist es reine Dynamik, Lebendigkeit?
Wenn wir das Natur- und Wasser-Motiv wieder aufgreifen, werden im Zusammenhang mit dem Glasfenster auch die Flechtwerkdecke und die warmen Sandsteinquader an den Wänden bedeutend.
Mag sein, dass sich der Betrachter im Blick nach oben vorkommt, wie in einem riesigen Binsenkörbchen. Wenn wir dann den biblischen Bezug zu Mose herstellen – er wurde in einem Binsenkörbchen gerettet - so könnte sich auch der Besucher in diesem Gotteshaus geborgen und in Sicherheit fühlen.
Eine weitere Deutungshilfe der blauen Fensterteile könnte uns die Bibelstelle Joh. 7,38 liefern.
Jesus spricht: „Wer an mich glaubt, aus dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“
In der Bibel symbolisiert "lebendiges Wasser" oft den Heiligen Geist und die Erlösung, die Jesus bringt.
Diesen Strom lebendigen Wassers, den Hl. Geist, finden wir auch im zweiten markanten Kunstwerk des Innenraumes wieder: Das Holzmedaillon, eine Collage von Max Walter: Mariä Aufnahme in den Himmel.
Die Hängeskulptur "Mariä Aufnahme in den Himmel"
Der Bildhauer Max Walter (1933 – 2017) aus Vasbühl (einem Gemeindeteil der Marktgemeinde Werenck) hat 1990 dieses beeindruckende Holz-Kunstwerk geschaffen.
Das Thema „Fließendes Wasser/Hl Geist – Lebendigkeit“ hat er in genialer Weise aufgenommen und das Holz in den Farben weiß und gold gefasst.
In drei Ebenen zeigt sich zum einen das Göttliche (oberer Teil),
zum anderen die Menschheit (unterer Teil).
Schließlich im Mittelteil diejenigen, die Teil der Menschheit waren, aus dieser jedoch hervor-, emporgehoben sind - Maria und Jesus.
Dabei ist Jesus als Mittler und Erlöser die Zentralfigur des Kunstwerkes.
Verbunden sind alle Ebenen durch den Geist (goldene Farbe), der aus Gott herausfließt. Wir blicken quasi wie durch ein Schlüsselloch auf das göttliche Heilsgeschehen, in das wir als Betrachter und Adressaten mit einbezogen werden. Der untere Bereich zeigt uns Menschen wie in einem Schiff miteinander verbunden.
Die beiden Hauptkunstwerke zusammen mit dem Altar bilden also eine tiefgreifende Einheit, die Mensch und Gott substantiell verbinden.
In dieser Gewissheit kann der Besucher die Kirche wieder verlassen, nicht ohne den Blick auf die beiden Schreiter-Fenster über dem Ausgang und dem Zugang zur Sakristei zu wenden:
Hier hat sich nicht die Formensprache, wohl aber die Farbigkeit in Weiß- und Grau-Töne verwandelt (Grisaille).
Der Künstler (und Kirche selbst) will uns hoffnungsvoll und zuversichtlich ins Helle entlassen. Durch Betrachtung, Gottesdienst und Meditation – so die Intention des Künstlers - wird der Mensch verwandelt, er nähert sich der göttlichen Sphäre, die ihn ergreift, ihn durch den göttlichen Geist verändert und lebendig hält.
Das ist die zentrale Botschaft des Kirchenraumes von Mariä Himmelfahrt Werneck.
Alle anderen Ausstattungsgegenstände stammen fast ausnahmslos aus der alten Kirche am Marktplatz und haben aus Traditionsgründen hier ihren Platz gefunden.
Der Besucher kann sich also auf Spurensuche in die Vergangenheit machen und wehmütig oder froh die alten Zeugnisse entdecken. Dazu kann der ausliegende Kirchenführer reiche Anregung geben.
Besonders hingewiesen sei noch auf die Marien-/Anbetungskapelle (mit Glasfenstern des Schweinfurter Künstlers Georg Mai) in der der suchende Beter einen Platz finden und vor der altehrwürdigen Pieta (16. Jahrhundert) seine Anliegen auch in Form einer Opferkerze vorbringen kann. (Rainer Ziegler)