Die Kirche Sankt Bartholomäus in Zeuzleben
Früher befand sich um die Kirche herum ein Friedhof, der von Mauern und Vorratshäusern umgeben war. Der Turm aus dem späten 13. Jh. scheint von außen dreigeschossig, im Innern sind aber fünf Stockwerke vorhanden. In das zweite Geschoß gelangte man früher durch einen Eingang an der Ost-seite (Spitzbogenform), der nur mittels einer Leiter zu erreichen war. Im unteren Bereich sind Schieß-scharten, die auch zur Erhellung des Innenraumes dienten. Im Falle von Angriffen diente der Turm zur Verteidigung. Er war früher viel niedriger. Den „Echterturm", diesen typischen Spitzturm wie er bei vielen fränkischen Kirchen anzutreffen ist, bekam er erst in den Jahren 1600-1602 nach erfolgter Erhöhung „aufgesetzt".
Das sehr kleine Langhaus war ursprünglich in der Mitte des Turmes angebaut. Der Altarraum befand sich im Turm. Es gab nur einen Eingang an der Westseite des Langhauses, das 1602 bei der Erhöhung des Turmes vergrößert wurde. Unter Pfarrer Joh. Adam Holzapfel erfolgte in den Jahren 1753 - 1755 ein weiterer Neubau von Langhaus und Chor wie wir ihn noch heute vorfinden.
Die Konturen der ersten Kirche wurden an der Westseite des Turmes erhalten. Bei einem Witterungs-umschwung kann man manchmal auch die Dachkonturen der zweiten Kirche sehen.
Die Pläne für den Neubau stammten aus dem Büro von Balthasar Neumann (1687-1753). Baumeister war Johann Müller aus Arnstein. Am 14. September 1755 wurde die Kirche von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) geweiht.
Kirchenschiff
Nach dem Betreten der Kirche befindet man sich unter der Doppel-Empore mit der „Seuffert-Orgel" von 1744. Die alten Doggen an den Bänken mit dem Akanthusschnitzwerk (um 1715) waren bereits in der Vorgängerkirche.
Über dem Chorbogen ist das Wappen von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, das von einem Baldachin und zwei Engeln verziert ist. Es ist eine Arbeit von Antonio Bossi.
Der Hochaltar wurde 1766 von Materno Bossi, Hofstuckateur in Würzburg geschaffen. Von ihm ist auch die Kanzel aus der gleichen Zeit. Das Altarblatt mit der Auferstehung Christi wurde 1767 vermutlich von Hofmaler Joh. Nikolaus Treu angefertigt, der laut Würzburger Hofkalender damals in Würzburg tätig war.
Die Nebenaltäre fertigte 1783 der Zeuzlebener Schreinermeister Valentin Weber unter Hinzuziehung eines Bildhauers der 1784 auch den Tabernakel zum Hauptaltar schuf. Bereits ein Jahr vorher (1782) fertigte er auch die beiden Beichtstühle.
Das Muttergottes-Tragebild wurde 1783 von einem Bildhauer aus Würzburg angefertigt.
Die Stationsbilder wurden 1872 von Maler Krombach aus München geschaffen.
Die Figuren des Hl. Bartholomäus und Hl. Philippus am Hochaltar fertigte 1872-74 ein Nürnberger Bildhauer.
Das gemalte Fenster „Anbetung der Könige" lieferte im Jahre 1886 der Passauer Glasmaler Alexander Sutor. Ein weiteres Fenster, bereits 1885 gestiftet, befand sich gegenüber. Es zeigte den „Opfergang Mariä im Tempel zu Jerusalem". Es wurde im Oktober 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört.
Innenrenovierung
Das jetzige Aussehen des Innenraumes ist das Ergebnis der Innenrenovierung ab Mai 2006. Damals wurde der Fußboden abgetragen und das Langhaus sowie der Chorraum mit Sandsteinplatten neu belegt. Die Bänke wurden neu angefertigt, in den Wänden und im Bankbereich eine Heizung installiert. Das Warmwasser kommt von einer Gemeinschafts-Gasheizung die sich im Keller der neuen Schule befindet und neben der Schule auch das Feuerwehrhaus und die Kirche versorgt. Später sollen noch der Kindergarten und die alte Schule angeschlossen werden. Auch die Innenbeleuchtung wurde erneuert.
Chorraum
Die Weihe des neuen Altars mit Ambo hat am 19. Januar 2008 Bischof Friedhelm Hofmann vorge-nommen. Ab Dezember 2008 wurde die Orgel restauriert.
Die Türe auf der rechten Seite im Chor führt in die Sakristei, die erst ab September 1993 gebaut wur-de. Bei den Grabungsarbeiten stieß man in etwa 1,50 Meter Tiefe auf den ehemaligen Friedhof, der vermutlich ab 1755 im Abbruchmaterial der alten Kirche angelegt wurde. Die Skelette lagen geordnet in West-Ost Richtung zwischen Steinen und Ziegelresten. Früher war der gesamte Kirchplatz ein Friedhof. Er wurde bis 1810 genutzt, dann wurde er am nordöstlichen Ortsrand neu angelegt.
Die Türe auf der linken Seite des Chores führte früher in die „Läutstube" und Sakristei, die seit dem Kirchenneubau 1755 im Turmuntergeschoß untergebracht waren. Dieser Raum ist vom Chorraum aus nicht mehr zugänglich. Dazu eine Erläuterung:
Seit dem Sakristei-Neubau machte man sich Gedanken, wie man den nun freigewordenen Raum im Turm nutzen könnte. Erst Dezember 2007 begann man im Zuge der Innenrenovierung damit den Turm teilweise auszugraben um zu prüfen, ob sich unter dem mit Erdreich und Bauschutt aufgefüllten Fußboden etwas Erhaltenswertes findet.
Zum Vorschein kamen Reste von Wandmalereien, ein gut erhaltenes Sakramentshäuschen sowie ein Becken mit einem Loch, das früher an der Südseite des Turmes ins Freie führte. Außerdem stellte man fest, dass es mindestens drei Bauphasen gab.
Nun soll der Raum als Andachtsraum hergerichtet werden.
Allgemeines
Die Kirche von Zeuzleben hatte schon seit frühester Zeit ein Geläute mit 3 Glocken.
1911 stiftete Pfarrer Adam Heuler aus Schnackenwerth, gebürtig von Zeuzleben, ein neues, größeres Geläute. Zwei der Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. 1949 wurden zwei neue Glocken beschafft, die Weihnachten 1949 zum ersten Mal geläutet wurden.
Außenrenovierung ab 1991: Neueindeckung des Turmes mit Schiefer, Neueindeckung von Kirchen-schiff und Chor, wobei wieder elf Dachgauben angebracht wurden, wie sie auf alten Fotografien zu sehen sind. Einbringung einer Ringverankerung und eines begehbaren Holzbodens mit Isolierung. Neuanfertigung des Glockenstuhles mit schwingungsfreier Lagerung der Glocken. Seitlich der Schallöffnungen wurden neue Ziffernblätter angebracht und ein funkgesteuertes Uhrwerk eingebaut. Ausbesserung der Sandsteine an Gebäude, Türen und Treppen. Neuverglasung der Fenster u.s.w.
Roland Bappert
Im Schriftenstand der Kirche finden Sie eine ausführliche Kirchengeschichte (2,50 Euro) oder das kostenlose Faltblatt eines kleinen Kirchenführers.